Unser
Anti- Gewalt- Training (AGT) ist grundsätzlich eine auf die Tat
bezogene Maßnahme.
Das
Training richtet sich an 14 bis 18 Jährige Jungen und Mädchen ( und
in bestimmten Fällen darüber hinaus1
) ErsttäterInnen und WiederholungstäterInnen im Bereich
Körperverletzung und Bedrohung und findet in Form eines
mehrmonatigen Trainingskurses statt.
Die
Teilnehmer werden vom zuständigen Amtsgericht oder Jugendamt zum
Training verurteilt oder zugewiesen.
Teilnehmerinnen
: 8 Mädchen im Alter von 16 – 18 Jahren , vom Gericht
angeordnete JGG
Maßnahme, des AG Meldorf
Ziel
des AGT ist eine Änderung des dissozialen Verhaltens, der
Einstellung der
Teilnehmer
zum Thema Gewalt und das Erlernen von Handlungsalternativen.
Als
oberstes Ziel steht die zukünftige Vermeidung von Opfern.
Das
Training wird von einem ausgebildeten Anti- Gewalt- Trainer und
mindestens
einem Co-Trainer/Co- Trainerin geleitet.
Vorraussetzungen
zur Teilnahme am AGT und Rahmenbedingungen (Gilt für Kurse mit
Mädchen wie mit Jungen).
Ausschlusskriterien
sind:
erkennbare
oder diagnostizierte psychische Erkrankungen,
akute
Drogenabhängigkeit,
unzureichende
Deutschkenntnisse,
Lernbehinderung,
Tätergemeinschaften,
Verwandtschaftsverhältnisse,
Asylbewerberstatus,
persönliche
Beziehungen des Trainers zu den Teilnehmern
Die
Gruppengröße sollte mindestens 6 und maximal 10 Teilnehmer
betragen.
Teilnehmer,
die dem Training entschuldigt fernbleiben, müssen die Stunden
umgehend
nacharbeiten.
Fehlt
ein Teilnehmer einmal unentschuldigt oder dreimal entschuldigt
(maximal aber
20
% der Trainingszeit), so ist er vom Training ausgeschlossen, der
Trainingskurs gilt
als
nicht absolviert. In diesem Fall ergeht eine sofortige, schriftliche
Mitteilung an die
zuständigen
Stellen (Jugendgerichtshilfe, Amtsgericht).
Fehlt
ein Teilnehmer nicht selbstverschuldet (höhere Gewalt, langfristige
Erkrankung)
so
hat er die Möglichkeit das Training zu einem späteren Zeitpunkt zu
wiederholen.
Bei
erfolgreichem Abschluss des Trainings erhält jeder Teilnehmer ein
Abschlusszertifikat.
Zeitumfang/Ablauf
Das
gesamte Training dauert mindestens 30 Zeitstunden höchstens
aber 40 Zeitstunden bedingt durch die Biografiearbeit mit den
Teilnehmern.
Alle
potentiellen Teilnehmer werden zu einem Vorbereitungstreffen (ca.
zwei
Stunden)
eingeladen.
Bei
diesem ersten Treffen geht es darum sich kennen zu lernen und die
Vorraussetzungen
zur Teilnahme am Gruppentraining abzuklären
(Ausschlusskriterien,
Gruppenfähigkeit).
Auf
Einladung der Trainer beginnt dann das Gruppentraining.
Die
wöchentlichen Trainingseinheiten der Gruppenphase dauern zwei bis
fünf
Stunden.
Die
Abstände zwischen den einzelnen Trainingseinheiten betragen eine
Woche
(gleiche
Wochentage, gleiche Uhrzeit).
Nach
der Gruppenphase gibt es ein Abschlusstreffen (Reflektion,
Auswertung) mit
allen
Teilnehmern die das Training erfolgreich abgeschlossen haben.
Hier
erhalten sie auch ihr Zertifikat.
Trainingsinhalte: Vorbereitungstreffen
(Bewerbertag)
-
Anti- Gewalt- Training vorstellen (inhaltlich)
-
Gruppenfähigkeit klären
Ausschlusskriterien
prüfen
Gruppenphase:
Zu
Beginn jeder Trainingsstunde müssen sich die Teilnehmer in eine
Anwesenheitsliste
eintragen.
Wichtige
aktuelle Themen werden aufgegriffen und thematisiert.
Die
letzte Trainingseinheit wird abgefragt (in Erinnerung rufen,
anknüpfen).
-
Teilnehmerverträge
-
Vorstellungen, Erwartungen der Trainer und der Teilnehmer besprechen
-
Regeln vorstellen und erarbeiten
-
Lebenslauf, Biographie
-
Partnerinterviews
-
Fragebogen Gewalt
-
Normen und Werte
-
Zielvereinbarungen
-
Persönliche Eigenschaften
-
Provokationstest/Gelassenheitstest auf Grundlage einer miesen Tat und
von
Stärken
und Schwächen der Teilnehmer
-
Körpersprache, Wahrnehmungen
-
Eigene Gewalterlebnisse
-
Gewaltdefinition
-
Gewaltrollenspiele
-
Kosten/Nutzen Analyse
-
Konfrontationsübungen
-
Verhalten in Bedrohungssituationen
-
Psychodrama: z.B. Life-Act-Rollenspiel, Das soziale Atom (Übung zu
Beziehungskonstellationen)
-
Übungen zur Kritikfähigkeit
-
Opferbriefe
-
Filme aus Opfersicht: z.B. „Es geschah in 11 Sekunden“,
„Killerboots“
Abschlusstreffen:
Auswertung,
Reflektion
Abschlusszertifikat
Zu
den einzelnen Terminen werden Gerichtsmediziner, Ärzte, ehemalige
Straftäter, Selbstverteidigungsexperten erscheinen und mitarbeiten.
1z.B.
für Männer die durch Gewalt gegenüber Kindern und ihren
Ehe/Lebenspartnerinnen auffallen, oder aber
Menschen die durch ihr aggressives
Fahrverhalten im Straßenverkehr auffällig geworden sind.