Frank Farrelly: Ein Erfahrungsbericht von Birgit Bernhardt
Im Sommer 2002 hab ich das erste Mal von diesem Mann gehört. Bernhard Ludwig, ein Wiener Seminar-kabarettist (www.seminarkabarett.com), erwähnte ihn öfter auf seiner CD "Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit." Mein Interesse wuchs innerhalb kürzester Zeit und am Höchststand besorgte ich mir Bücher zum Provokativen Stil und der Provokativen Therapie.
Was ich zu lesen bekam war revolutionär, urkomisch, fantastisch. Alle Regeln der Psychotherapie schien Frank Farrelly hier als Therapeut in seiner Arbeit zu brechen. In den Gesprächsprotokollen mit einzelnen Klienten las ich, wie Frank mit den Menschen sprach- er zeigte sich als ihr verzerrter Spiegel, potenzierte das Problem, unterbrach den Klienten, berührte ihn, sprach manchmal in einem deftigen, wohlwollenden Stil mit ihm, Frank als Therapeut lachte, der Klient lachte über sich selbst ..... Unwahrscheinlich. Wie das aber eben oft mit Büchern so ist, die ganze Dimension erfasste ich so nicht, diesen Mann und seine Arbeit wollte und musste ich kennen lernen. Ein kleiner, rundlicher, lustiger , sympathischer älterer aber sehr spritziger Herr ging auf die Bühne, nahm auf einem von drei gemütlichen Jugendstilsesseln Platz und begann über seine Arbeit zu erzählen. Mehr als das Erzählte ließ ich aber zuerst einmal seine Ausstrahlung auf mich wirken- und kam zu dem Schluss - von ihm konnte man solch Ungeheuerlichkeiten annehmen, denn kein Quäntchen Zynismus, keine Überheblichkeit und kein Funken Antipathie schwingt in diesem Menschen. Frank Farrelys Ansatz in der Therapie ist der , dass sich jeder Mensch- egal wie alt- ändern kann- Beisatz: wenn er es will. Das find ich einen sehr schönen, positiven Ansatz- wie oft hört man, ab 30 ändert sich keiner mehr. Einmal Opfer- immer Opfer. Frank ist fest davon überzeugt, dass auch psychisch kranke Menschen mündig, gleichwertig und stark sind und dass man deshalb offen und ehrlich mit ihnen sein kann und muss. Noni Höfner, deutsche Psychotherapeutin, nachdem sie Frank 1985 kennen lernte, schreibt in ihrem Buch "Das wäre doch gelacht": Ich hatte gerade beschlossen mich aus der Einzeltherapie zurückzuziehen. Mein Verstand und mein Körper signalisierten eindeutig, dass die mir auferlegte professionelle Zurückhaltung bei der Arbeit nicht gut für die Klienten waren. Menschen mit seelischen Problemen begannen mich ebenso zu nerven wie die Aussicht, diesen womöglich acht Stunden am Tag zuhören zu müssen, und ich hatte nicht die Absicht, mit der Berufskrankheit der Heilberufe zu enden: dem inneren Ausbrennen oder dem Sprung aus dem Fenster."
Das wichtigste Element der Provokativen Therapie ist der Humor. Frank treibt verschiedene Situationen in den Sitzungen auf die Spitze, um den Klienten dahin zu bringen, dass er die Komik und den Unsinn seiner erstarrten Position erkennt. Es ist eine Kurzzeittherapie, im Durchschnitt sind es 20- 25 Sitzungen, Schizophrene Patienten brauchen rund 100 Sitzungen, bei anderen Problemen reichen oft schon zwei Sitzungen aus. Das macht diese Form der Therapie gerade auch so interessant und wertvoll für mich.
Als Therapeut darf ich mich auch verlieren, genauso wie das die Klienten oft tun.
Frank erzählte von einem Gespräch mit einem schizophrenen Klienten im Krankenhaus. Irgendwann sagte er zu Frank: "Du bist ja genauso verrückt wie ich." Frank: "Ja aber jedes mal, wenn ich mich verrückt verhalte, krieg ich Geld dafür, du aber wirst eingesperrt."
Noni Höfner, die ich schon weiter oben zitierte, schreibt: "Bei der Vorstellung, dass Veränderungen nur durch Leiden zu erreichen sind, werden zwei Dinge verwechselt: Leiden während des Veränderungsprozesses und Leidensdruck. Natürlich ist ein gewisser Leidensdruck erforderlich, um zu bewirken, dass der Klient überhaupt zur Therapie kommt. Wenn er aber einmal da ist, ist der Schlüssel zu seiner Veränderung nicht die Tiefe seines Leidens im Veränderungsprozess, sondern seine emotionale Beteiligung. Verhaltensänderungen alleine aus Einsicht, ohne Anbindung an die Gefühle, sind nicht möglich. Diese emotionale Beteiligung lässt sich aber nicht nur durch Leiden, sondern ebenso durch befreiendes Gelächter erreichen."
Frank zu einer Frau, die vier Ehen hinter sich hat: "Wie wirst du es versuchen, auf acht zu kommen? Wenn etwas irgendwie gut ist- mehr davon ist besser. Ah, ja. Also Männer sind alle Fabrikationsfehler. Es gibt keinen Mann, der ohne Defekt ist. Und um für diese Frau eine perfekte Bindung mit Männern herzustellen -sie wird mit Sicherheit achtmal heiraten-, könnten alle zusammen einen perfekten Mann ergeben. Natürlich werden es dann achtmal so viele Defekte sein. Und es ist kein Wunder, dass so viele Frauen ärgerlich, depremiert und bitter sind. Männer sind für Frauen wirklich eine echte Enttäuschung." Sie sagte: "Ja, das ist wahr." Frank sagte: "Klar, du hast vier Enttäuschungen geheiratet." Und so weiter, usw.
Der Basisworkshop war eines der besten Fortbildungswochenenden, die ich jemals erlebt habe, mit nachhaltiger Wirkung und Veränderungen. Nach drei ausgefüllten Tagen bin ich nicht ausgelaugt, müde und reif fürs Bett zu Hause ange-kommen, viel mehr hatte ich Energien, die für weitere fünf Tage Frank Farrely Intensivworkshop locker gereicht hätten.
Man muss Frank Farrelly gesehen, gespürt, mit allen Sinnen und einem offenen Herz erlebt haben. Worte reichen hier nicht aus.